Andreas Cotterell

Musik war mein Wegbereiter, seit ich im Alter von 4 Jahren zur musikalischen Früherziehung geschickt wurde. Ich fing also an mit dem Glockenspiel, kam dann zur Blockflöte und lernte ab meinem zwölften Lebensjahr Fagott. Später nahm ich Unterricht am Klavier und in Musiktheorie, bevor ich mit 18 dann anfing, mich für die wesentlichen Dingen im Leben zu interessieren, bzw. für das, was ich in dem Alter dafür hielt: Weltfrieden, Mädchen, Partys, Revolution, Auflehnung, etc. Nun hatte die Musik keinen Platz mehr.

Das änderte sich erst, als ich nach Abitur und Zivildienst zu studieren anfing und weil ich in meiner Konstanzer Studentenbude kein Klavier hatte, lernte ich Gitarre.

1995 in Neubrandenburg angekommen beschäftigte ich mich vor allem anderen mit Musik. Bass und Trommeln kamen dazu und dann auch alles das, was irgendwie einen Klang macht: Ob Posaune, Waschbecken oder Schnürsenkel, für mich wurde die Welt zur Musik. Wir nannten uns damals » Musik ohne Arbeit Fraktion «, waren ideologisch radikal und hielten die notengeschriebene Musik für einen elitären Ausdruck des » Systems «, dass es zu überwinden galt. Von der freien Klangmusik gelangten wir zum Reggae und zur Trommelmusik, die die Basis waren für das spätere Konzept des » offenen Proberaums «, wo wir in Jugendclubs zahlreiche Jugendliche, aber auch Erwachsene, Behinderte, psychisch Kranke oder obdachlose Menschen an die Musik herangeführt haben, die vor allem eins sein sollte: So einfach, dass jeder jederzeit mitspielen konnte.

Nachdem ich 30 Jahre alt war, fing ich langsam an, mich dieser Welt zu entfremden. Ich hatte viel gelernt, neben zahlreichen Instrumenten auch das Theaterspiel und die Theatermusik, aber ich kam nicht mehr umhin, meine Unzufriedenheit, die ich immer als Kritik am » System « geäußert hatte, auf seine Quelle zurückzuführen, nämlich auf die Unzufriedenheit mit mir selbst. Behutsam lenkte ich mein Leben langsam in eine andere Richtung und fing an, mich mit Bach, mit Meditation und Qi Gong zu beschäftigen. Nachdem ich Antje kennengelernt hatte, zogen wir » aufs Dorf «und gemeinsam begannen wir damit, unser Leben vom Kopf auf die Füße zu stellen, wozu insbesondere gehört, Kampfkunst am Tao-Institut Neubrandenburg bei Meister Ralf Hoffmann zu studieren, um auf diesem Wege unsere Potentiale zur Entfaltung zu bringen.

Wenn ich heute Musikunterricht gebe, lege ich auf die Technik genauso viel Augenmerk wie auf die Intuition. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Man braucht Noten, um die Möglichkeiten zu erfassen, und man braucht das freie Spiel, um die Möglichkeiten zu realisieren.